Der Ornamentbegriff im Barock
Der Kunsttheoretiker und Künstlerbiograf Filippo Baldinucci schrieb in seinem 1681 in Florenz erschienenen „Vocabolario Toscano dell’arte del Disegno“ („Toskanisches Inventar von der Kunst des Entwurfs“): „Abellimento, e dicesi propriamente dicose materiali, che si aggiungiono intorno che che sia, per farlo vage e belle.“ („Verzierung nenne ich es, wenn Materialien zum Gegebenen hinzukommen, um es schön und eigenartig zu machen.“)
In Frankreich ist der Begriff ornemens gleich dem lateinischen ornamentum zu setzen und taucht in der Kunstliteratur seit dem 16. Jahrhundert auf.
Im deutschen Sprachraum sind die Begriffe Zierrat, Zierung, Beizier bis ins 19. Jahrhundert vorherrschend, so z.B. schon in der ersten deutschen Ausgabe Vitruvs, übersetzt von Walter Rivius (auch Walter Ryff, „Vitruvius Teutsch“, Nürnberg, 1548), in der es in Buch 4, Kapitel 2, heißt: „Columnen, sampt deren etlichen angehorigen theil glidern und ornamenten oder zierungen.“
Im wichtigsten deutschen enzyklopädischen Lexikon des Barock, im „Grossen vollständigen Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste“ von Johann Heinrich Zedler (1732 ), findet sich der Verweis „Ornamentum siehe Zierrath“ und die Definition: „Schmuck, Putz, Ornat, Zierrath, Ornatus oder Ornamentum, heißt überhaupt alles dasjenige, was zwar auf dem Leibe, nicht aber so wohl zu nötiger Bedeckung desselben als vielmehr nur zum Staate und Pracht getragen wird.“ (Band 35, Spalte 471)In der kritischen europäischen Ornamentdebatte des 18. Jahrhunderts, wesentlich von den Akademien ausgetragen, wurde den Ornamenten schließlich ein Eigenwert zugestanden, der sie aus der Rolle einer eher untergeordneten Kunstgattung befreite.
Bernd Evers, Rainald Franz
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