Hochbarock


Barockgrotteske, Style Berain

Die Grotteskendekoration wird im französischen Barock von Jean Bérain perspektivisch weiterentwickelt und beeinflusst die im deutschen Sprachraum verbreitete Flächendekoration des „Laub- und Bandelwerks“, das vor allem im österreichischen Raum ab 1710 an die Stelle des im 17. Jahrhundert dominanten Akanthusornaments tritt und das französische Gitterornament des Régencestils gewissermaßen aufhebt. Abb. 5


Abb 5 Abb.5.: Jeremias Wolf

Blatt aus der Folge von Kopien nach Jean Bérain
Augsburg, Jeremias Wolf, vor 1724
Radierung 35,2 x 24,8 cm
M.A.K. Inv. Nr.: D 641

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Roll- und Beschlagwerk, Knorpelwerk und Ohrmuschelstil

Tendenzen zu reliefhafter Verräumlichung finden sich in der Ausbildung des Roll- und Beschlagwerks und des Knorpel- oder Ohrmuschelstils in der Ornamentik des 16. bzw. 17. Jahrhunderts. Abb. 6


Abb 6 Abb.6.: Virgilius Solis

Ornament mit zwei Satyrn mit verschlungenen Armen in Beschlagwerk
Deutschland, 16. Jahrhundert
Kupferstich und Radierung 5,6 x 8,4 cm
M.A.K. Inv. Nr.: K.I. 2487

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Aus den von Raffael und Giulio Romano entworfenen Fresken der Sala di Constantino (1523/24, Vatikan), wo an den Kartuschen erstmals rollwerkartige Gestaltungen auftreten, wird das Motiv über Titelblätter von Ornamentdrucken und Büchern verbreitet. Durch Francesco Primaticcio und Rosso Fiorentino gelangt das Rollwerkmotiv nach Frankreich an den Hof von Franz I. Aus der Kartuschenform entwickelte die „Schule von Fontainebleau“ bei der Ausgestaltung der Galerie für den französischen König ab 1534 ein ins Dreidimensionale drängendes Ornamentsystem. In der Galerie von Fontainebleau erhält das Motiv in den Stuckdekorationen eine angemessene Materialität, was wiederum durch Stichfolgen u.a. von Jacques Ducerceau (1561) als Vorbild in ganz Europa verbreitet wird. Abb. 7


Abb 7 Abb.7.: Jacques Ducerceau

Randverzierung mit Schweifwerkgrottesken
Frankreich, 16. Jahrhundert
Radierung 7,1 x 9,4 cm
M.A.K. Inv. Nr.: D 584

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Bereits um 1540 ist das Rollwerk im flämischen Raum nachweisbar, es wird durch Entwerfer bzw. Stecher wie Cornelis Floris oder Cornelis Bos aufgegriffen und ist ebenso in den Illustrationen der Einzugsdekorationen und der „Architectura“ des Hans Vredeman de Vries nachweisbar. Auch die einflussreiche, oft kopierte Serie der vierzehn Masken, die Frans Huys nach Vorlagen des Cornelis Floris sticht, gehört dieser Ornamentmode an. Antropomorphe Gesichter werden hier aus Blättern, Voluten, Meereswesen gebildet, dem Gestus der Bilder Giuseppe Arcimboldos vergleichbar. Abb. 8


Abb 8 Abb.8.: Cornelis Bos

Blatt aus der Folge grotesker Füllungen mit Wagen
Niederlande, 16. Jahrhundert
Kupferstich 17 x 26,6 cm
M.A.K. Inv. Nr.: D 908

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Schattengebung, plastisch gebildete Voluten und Sparren, bereichert durch Fruchtgehänge und im Ornament „eingesperrte“ Figuren zeichnen die Rollwerkornamente des niederländischen Manierismus aus.

Bernd Evers, Rainald Franz

 

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