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Spätbarock Style Rocaille, Chinamode Das Knorpelwerkornament (auch Ohrmuschelstil) löst das tektonische Gerüst und die stereometrischen Formen zu einer weich formbaren Masse auf und scheint aus dem Ornamentraum oder der Oberfläche gleichsam hervorzuquellen. Das aus der Goldschmiedekunst entwickelte Ornament weist der Entwicklung der Ornamentik den Weg aus der Fläche: Mit der in Frankreich von Juste-Aurèle Meissonnier entwickelten Rocaille, Grundform der Rokokoornamentik, findet in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Ornamentik ihren Weg in die Dreidimensionalität. Die Namen gebende Muschelform, in Wirklichkeit eine Abwandlung der schon im Rollwerk bekannten Volutenspange, wird in den Kompositionen nun zum Architekturversatzstück, wobei der stoffliche Charakter der Muschel so verändert wird, dass nur noch die asymmetrische Kartuschenform an die ursprüngliche Naturform erinnert. Abb. 9
Ihren Triumph in Deutschland feierte die in den Umraum vordrängende Rocailledekoration in den Schöpfungen Francois de Cuvilliés, vor allem in seiner Gestaltung der Dekorationen der Amalienburg (1734–1737) im Schlosspark von Nymphenburg bei München, aber auch in den Architekturschöpfungen Friedrichs des Großen aus den 1740er Jahren, etwa im Schloss Sanssouci (1744–1747). Abb. 10
Neben der Rocaille ist es die Chinamode, die ab 1740 mit figuralen und floralen chinesischen und indischen Motiven die Ornamentik dominiert, wobei sich Chinoiserie und Rocaille im genre pittoresque auch verbinden können. Abb. 11
Nachfolgende Stile wie der Klassizismus, Style Empire, Biedermeier, nehmen Anleihen bei Ornamentmotiven der Antike, die in neuen Zusammenhängen und nach aktuellem ästhetischem Empfinden kompiliert werden. Bernd Evers, Rainald Franz
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